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Wie ich Unternehmerin wurde – von Steinen, Kindern und viel Mut.

Wie wird man eigentlich selbständig? 

 Kennst du das? Du fragst dich, wie es eigentlich klappen soll mit der Selbständigkeit. Ich wusste schon immer, dass ich irgendwie selbstständig sein möchte, aber wie?

Deshalb hier heute einfach mal meine ungefärbte, sehr ehrliche Laufbahn. Ich musste die einfach mal runterschreiben – um Mut zu machen und mir selbst auch zu zeigen: hey, das geht!

Viel Spaß beim Lesen

Mit 15 Jahren habe ich in begonnen, in der Gastronomie zu arbeiten. Erst am Eisfenster eines türkischen Restaurants, dann in einer Pizzeria, 6 Tage die Woche. Nach der Schule.

Ich habe immer für mein eigenes Geld gearbeitet, da ich meine schwer arbeitende, alleinerziehende Mutter nicht zusätzlich belasten wollte.

Mit 16 bin ich mit meiner Mutter nach Bremen gezogen. Ein Jahr später habe ich in einem Eiscafé im Bremer Bahnhof gearbeitet.

Die Ausbildung zur Restaurantfachfrau habe ich mit 18 begonnen und 2 Jahre später erfolgreich abgeschlossen. Was ich während der Prüfung noch nicht wusste: ich war bereits schwanger.

Am 1.8.2008 habe ich meinen 1. Job nach der Ausbildung angefangen. Am 2. August habe ich erfahren, dass ich im dritten Monat schwanger bin.

Vom neuen Arbeitgeber wurde mir arglistige Täuschung vorgeworfen und man hat mich nicht mehr arbeiten lassen. Nach knapp einem Jahr und etlichen Gerichtsverhandlungen habe ich eine ordentliche Summe Geld ausgezahlt bekommen und konnte mich endlich auf meine kleine Tochter konzentrieren, die ich mit 21 Jahren als Single zur Welt gebracht habe.

Kurz danach bin ich mit meinem jetzigen Partner zusammen gekommen, den ich mittlerweile seit 13 Jahren kenne. Wir sind jetzt 11.5 Jahre zusammen.
Ein Jahr später kam unser Sohn auf die Welt. Ja, wir waren ziemlich schnell damit aber wie man sieht, ist alles gut gegangen. Eine Garantie, dass eine Beziehung klappt, hat man ja nie.

Als unsere Tochter mit 2 Jahren zwei mal die Woche in den Spielkreis ging und meine Schwiegermutter zu dieser Zeit mit unserem Sohn spazieren ging, war mir ziemlich schnell langweilig. Nach 2 Jahren ohne wirklich Zeit allein, wusste ich nicht so wirklich was mit mir anzufangen in diesen 3 Stunden, einmal die Woche. Also habe ich mir kurzerhand einen Job als Haushaltshilfe gesucht. Später fing ich einen Job als Kellnerin in einem kleinen italienischen Restaurant an. Die Kinder waren damals ca. 2 und 3. 

2013 eröffneten wir unser eigenes Restaurant und wir arbeiteten beide. 

Ein Restaurant mit 2 kleinen Kindern zu führen ist wirklich eine Herausforderung und somit haben wir entschieden, dass ich zu Hause bleibe und wir keine Babysitterin mehr benötigen.

Tagsüber wurde mir jedoch schnell langweilig, das Leben einer Hausfrau ist wirklich nicht mein Ding und so fand ich dank einer Freundin einen Job als Verkäuferin in einem Optikergeschäft. 

Als Mutter von 2 kleinen Kindern im Einzelhandel ist es tatsächlich auch nicht einfach. Es gab wenig Verständnis dafür, warum ich nicht so oft die Spätschicht bis ca. 21 Uhr übernehmen möchte und auch samstags nicht gerne arbeitete. Nach 1,5  Jahren kündigte ich wieder und arbeitete wieder tagsüber im Restaurant. Mit der Zeit merkte ich, dass ich mit der Gastronomie durch bin, es machte mir einfach keinen Spaß mehr. Ich fand einen Job im Kundenservice eines Getränkegroßhandels. Dort habe ich erschrocken feststellen müssen, das Stromberg nicht fiktiv ist. 😀

Nach einem Jahr (2016) bin ich in das Unternehmen meines Vaters gewechselt. Ein LED Großhandel mit Sitz in Oldenburg. Dort war ich als Assistenz der Geschäftsleitung tätig. Während dieser Zeit hatte ich die Erkenntnis, dass ich eine miserable Angestellte bin, da ich keine Lust mehr hatte, für andere zu arbeiten. Auch die Position als Tochter vom Chef war alles andere als einfach in einem Handwerkerbetrieb. Ich wurde selten ernst genommen.

Ich hatte immer das Gefühl, dass Geschäftspartner meines Vaters, die mich schon aus Teenagertagen kannten, in mir immer die kleine Julia gesehen haben. Das hat mich sehr genervt. Wie selbstverständlich haben sie mich zur Begrüßung in den Arm genommen. Männer, die ich seit mehr als 15 Jahren nicht gesehen hatte und mich auch nicht mehr recht an sie erinnern konnte. Ich fand das damals ziemlich übergriffig. 

In dieser Zeit habe ich einen Workshop für Facebook-Advertising für Unternehmen mitmachen können. 

Dieser Workshop war der Beginn meiner jetzigen Tätigkeit.

Ich habe den Account der Firma meines Vaters auf Facebook geführt und merkte, dass es mir sehr Spaß macht.

Eines Tages hat ein Einkaufszentrum hier in Bremen etwas auf Facebook gepostet. Einen Zweizeiler ohne Emotionen, ohne Bilder. Ich dachte mir, das geht doch gar nicht und habe das Einkaufszentrum über Facebook kontaktiert und geschrieben, dass ich sie gerne unterstützen würde, da sie mehr Potenzial haben.

Zu meinem Erstaunen hat sich gleich am nächsten Morgen um 9:00 Uhr die Center-Managerin bei mir gemeldet. In einem Gespräch mit ihr kam heraus, dass sie selbst lernen wollte, wie Facebook funktioniert. Da ich jedoch selbst gerade erst gelernt hatte wie das Ganze geht, habe ich die Anfrage nach langer Überlegung abgelehnt.

Daraus ist die Idee für wileikju! entstanden, da mir bewusst wurde, dass es einen Markt dafür gibt. Kurze Zeit später habe ich eine Homepage und eine Facebook-Seite erstellt und habe meine Dienstleistung beworben.
Das war im Mai 2018. Ein ehemaliger Nachbar, der Geschäftsführer eines Restaurants in Bremen und Düsseldorf ist darauf aufmerksam geworden und wurde mein erster Kunde. Im August 2018 wurde wileikju! offiziell als nebenberufliche Tätigkeit gegündet.
Im Oktober 2018 habe ich meinen Job bei meinem Vater gekündigt und mir eine dreimonatige Auszeit gegönnt.
Die Social Media Verwaltung habe ich weiter nebenbei gemacht, ich habe mir daraus nicht viel versprochen und hatte eigentlich auch keine Ziele damit. Es war für mich ein netter Nebenverdienst.
In den drei Monaten habe ich viel ausprobiert ich, habe z.B. als Komparsin gearbeitet durfte in einer ZDF Produktion (Altes Land) die kürzlich im ZDF lief, mitwirken und habe in einen Werbespot eines marktführenden Großhandels mitgewirkt. Doch schnell stellte sich heraus, dass diese Arbeit nicht zufrieden stellend war. Und -by the Way- extrem unterbezahlt wurde.

Im Februar 2019 habe ich noch mal einen Job in der Gastronomie angenommen. Diesen habe ich nach zwei Monaten wieder gekündigt -ich war immer noch durch mit der Gastronomie und bin in die hauptberufliche Selbstständigkeit gegangen.
Seitdem habe ich mehr als 20 Social Media Accounts verwaltet und viele UnternehmerInnen aus sämtlichen Branchen gecoacht und durfte zum Thema Instagram in der Social-Media-Manager-Ausbildung gastdozieren.

Während dieser ganzen Zeit habe ich mich stetig weitergebildet und kann mich nun Instagram-Expertin nennen. 

Im März 2020 habe ich meine erste virtuelle Assistentin, Yasmin beauftragt, mich zu unterstützen. Wegen des Lockdowns und dem daraus resultierenden Verlust von Kunden mussten wir die Zusammenarbeit Ende April wieder beenden.

Ich habe den Lockdown genutzt, um mich nochmals weiterzubilden, habe die Werbetrommel gerührt und im Unternehmernetzwerk BNI meine Minicoachings beworben. Das wurde so gut angenommen und war so effektiv, dass mein Kundenstamm schnell wuchs und ich erneut Unterstützung brauchte.

Im Juni 2020 habe ich meine virtuelle Assistenten Daniela (freiberuflich) und zwei Praktikantinnen (Ruth und Katharina) eingestellt. Katharina ist seit September 2020 als meine Assistentin tätig.
Seit Dezember arbeitet Justina fest bei mir. Sie ist Social Media Managerin und Online Marketing Managerin.

 Im Mai 2020 habe ich eine Ausbildung zum NLP -Practitioner begonnen. Dort habe ich gelernt, wie wichtig Glaubenssätze und Überzeugungen für die eigene Zufriedenheit sind.

 Welche Herausforderungen gab es?

Die Selbstständigkeit mit der Familie unter einen Hut zu bringen ist nicht immer einfach. Oft kommen die Kinder und der Partner zu kurz. Ich habe das große Glück, einen Partner an meiner Seite zu haben, der mich durch und durch unterstützt und mir den Rücken frei hält.
Was ich auch schnell feststellen musste, ist, dass im engen Bekanntenkreis die Selbstständigkeit nicht immer positiv ankommt. Neid und Missgunst spielten gerade am Anfang eine große Rolle. Ich habe schnell gemerkt, dass ich mich in eine andere Richtung entwickle, und mich „normale Themen“ wie die Beziehungsprobleme einer Nachbarin der Freundin nicht mehr interessieren. Das hat man schnell gemerkt und kam nicht immer gut an. 😉

Irgendwann fing ich an, Bücher von erfolgreichen Menschen zu lesen wie zum Beispiel Tony Robbins oder Tim Ferris. In diesen Büchern wurde immer wieder beschrieben, dass die wirklich erfolgreichen Menschen meditieren und früh aufstehen, meistens gegen 5:00 Uhr morgens. Ich probierte die Meditation aus und war sofort begeistert. Auch das frühe Aufstehen habe ich mir angewöhnt, was anfangs wirklich nicht einfach war. Auch jetzt kriege ich es nicht immer hin, doch es wird immer besser. Durch das Meditieren kam immer mehr die Spiritualität in mein Leben. Menschen mit denen ich zu tun habe, entpuppen sich ebenfalls als spirituelle Menschen, was vorher nie ein Thema war. Und immer mehr Menschen die ich kennen lerne, andere Selbstständige und Unternehmerrinnen sind spirituell und glauben an die Kraft der Gedanken und der Manifestation.
Die Spiritualität hat einen großen Einfluss auf meine tägliche Arbeit und meinen Erfolg. 

Mein Weg zur Selbstständigkeit war nicht einfach und vielleicht auch ziemlich unkonventionell, doch es hat sich gelohnt. Es hat sich wirklich gelohnt.

Das Leben kommt manchmal unverhofft und manchmal muss man viele Steine beseitigen, doch wenn sich die richtige Tür öffnet, dann gehe durch. Glaube an dich und gehe deinen Weg. Egal, was die anderen sagen!